Oldenburg, den 18. Juli 2013

Unterstützung für Haus Friedensbruch

Offener Brief an den Eigentümer der Immobilie Theaterwall 24a

Im Frühjahr 2011 besetzte eine Gruppe junger und jung gebliebener Leute das in Oldenburg leerstehende Haus am Theaterwall mit der Nummer 24a. In den folgenden Monaten und Jahren wurde das Gebäude mit viel Engagement „instandbesetzt“ und unter dem Namen „Haus Friedensbruch“ als alternatives Wohn- und Kulturprojekt bekannt. Auch durch Rückschläge wie die Sperrung des Stromanschlusses im Mai 2012 oder das (von behördlicher Seite nicht genehmigte) Abdecken des Daches des denkmalgeschützten Hauses durch den Besitzer im Februar 2013 haben sich die Bewohnerinnen und Bewohner nicht entmutigen lassen. Nun liegt eine Räumungsklage seitens des Besitzers vor.

Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass sich das Haus Friedensbruch vis-à-vis zum Oldenburgischen Staatstheater befindet – einer Institution, welche wie kaum eine andere die „Hochkultur“ repräsentiert. Und doch ist es mehr als nur ein ironischer Gegensatz, der hier sichtbar wird. Es zeigt, dass es in Oldenburg eine lebendige kulturelle Vielfalt gibt: Ist es nicht wunderbar, an einem Abend im Staatstheater eine Oper erleben zu können, um anschließend auf der anderen Straßenseite ein Programm mit Trash-Kurzfilmen zu sehen?

Diese Art von Querverbindungen und Vernetzungen ist es, die ein Projekt wie das Haus Friedensbruch so wichtig und unersetzlich macht. Es sind nicht nur ein Haufen Punks, die dort „ihr Ding machen“. Von Anfang an wurde Kontakt zu anderen Kulturschaffenden aus Oldenburg und darüber hinaus aufgebaut. Exemplarisch sei hier – oben klang es bereits an – die Zusammenarbeit mit den Oldenburger Kurzfilmtagen zwergWERK erwähnt: Während der 11. und 12. Ausgabe des Festivals im November 2011 und 2012 wurden in dem Haus am Theaterwall eintrittsfreie Mitternachtsprogramme veranstaltet – mangels Strom unter nicht ganz einfachen Bedingungen. Dennoch waren die Veranstaltungen außerordentlich gut besucht, und das Publikum setzte sich durchaus heterogen zusammen. Gut möglich, dass tatsächlich der eine oder andere Theatergast geschaut hat, was denn „da drüben“ los sei. Auch eingeladene Filmschaffende, die ihre Werke persönlich präsentierten, zeigten sich vom Haus Friedensbruch als Veranstaltungsort begeistert. Gratis war an diesen Abenden nicht nur das Filmprogramm, sondern auch – wenn man so will – der Abbau von Berührungsängsten.

Neben Filmvorführungen fanden und finden im Haus Friedensbruch Konzerte und Lesungen, Ausstellungen und Kleidertauschpartys, Kneipenabende und Diskussionsveranstaltungen statt. Eintritt wird dabei konsequent nicht erhoben – auch insofern ist das Projekt eine wichtige Bereicherung für Oldenburgs Kulturszene: Hier werden Angebote für diejenigen geschaffen, die sich beispielsweise einen Kinobesuch für 13 Euro nicht leisten können und wollen.

Nicht zuletzt wird das Haus Friedensbruch auch als Wohnraum genutzt. Oldenburg hat eine der geringsten Leerstandsquoten in Deutschland, dementsprechend hoch sind die Mietpreise. Um so konsequenter ist es von den Bewohnerinnen und Bewohnern des Theaterwalls 24a, das Haus dafür zu verwenden, wofür es gebaut wurde: zum Wohnen. Hier geht es nicht darum, jemandem einen Schaden zuzufügen – im Gegenteil: Hier wird gezeigt, wo in Oldenburg der Schuh drückt!

Abseits aller juristischen Fragen wünschen wir, die Unterzeichnenden dieses Briefes, uns vom Eigentümer der Immobilie Theaterwall 24a, dass er mit dem Projekt Haus Friedensbruch, der Stadt Oldenburg und den Kulturschaffenden in einen offenen Dialog tritt, anstatt mit einer Räumungsklage harte Fakten zu schaffen. Oldenburg braucht eine vielfältige Kulturszene. Und das Haus Friedensbruch ist seit über zwei Jahren ein Teil davon.

Sie stimmen zu und möchten auch unterzeichnen? Dann schicken Sie eine Nachricht mit Ihrem Namen und ggf. Ihrer Institution an ja@ufhf.eu.

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